lying by omission -ein Nichträtsel

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Lückenpresse. Welch ein trefflicher Name!
Spricht man von „Lüge“, impliziert diese Bezeichnung ein Erfinden von Vorfällen oder das absichtliche Verdrehen der Tatsachen, doch gibt es auch eine weitere, von Medien gern gebrauchte Form der Lüge: das Auslassen, das bewusste Verschweigen von Vorfällen oder Umständen, die zur Vermittlung der Wahrheit unabdingbar sind.
„Lying by omission“ nennt sich das  im angelsächsischen Sprachraum.

In unseren Breitengraden wurde aus der „Lügenpresse“ bald die sehr treffende  Bezeichnung „Lückenpresse“ geschaffen, was genau eben das beliebte Auslassen oder Verschweigen von wichtigen Umständen charakterisiert.

Inzwischen gibt es in der medialen Berichterstattung derart viele immer gleiche Lücken, dass es für alle Zeitgenossen, die zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, ein Leichtes ist, diese Lücke zu füllen. Das, was verheimlicht, was verschwiegen werden sollte, wird offenbar, wird zum Nichträtsel.

Beispiel gefällig?
Der orf berichtet heute in seiner online-Ausgabe:

Mann von Gewalttäter schwer verletzt

In Salzburg hat Dienstag soll ein 30-jähriger Mann bei einem Streit einem 46-jährigen Kontrahenten schwere Kopfverletzungen zugefügt. Die Polizei ermittelt.
Der Ältere soll laut Polizei dem anderen Mann mehrere Faustschläge gegen den Kopf versetzt haben. Auch als sein Opfer zu Boden ging, soll der mutmaßliche Gewalttäter nicht von seinem Opfer abgelassen haben. Er habe weiter gegen Kopf und Oberkörper getreten, sagen Ermittler.

Zwei Männer, soso. Über die Herkunft der Beiden erfährt man dank der Lücke nichts.

Mit den letzten Zeilen der Meldung schließt sich aber die Lücke, was den Täter betrifft.
Der Leser muss nicht mehr über dessen Herkunft rätseln:

Keine Untersuchungshaft
Der 46-Jährige erlitt einen Schädelbasisbruch und eine Hirnblutung.
Der Verdächtige wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Damit erübrigt sich das Raten, oder?

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