Zuständ’…

Die Schuldirektorin einer Wiener Neuen Mittelschule (NMS) hat von massiven Deutschproblemen ihrer Schüler berichtet. Es folgte ein wütender Brief des Unterrichtsministeriums. […]

Die Schülerinnen und Schüler der Neuen Mittelschule Gassergasse sprechen über 30 verschiedene Muttersprachen, dem deutschen Schulunterricht können viele aber auch nach vier Jahren Volksschule nicht folgen.[…]
„Es sind Kinder, die schon in Wien geboren sind, wo die Eltern auch schon lange Jahre in Wien leben, aber einfach in der Muttersprache die ersten sechs Jahre aufgewachsen sind, kaum ein deutsches Wort gehört haben, kein Bilderbuch vorgelesen bekommen haben, kein deutschsprachiges Fernsehen anschauen. Das heißt, wenn sie in die Volksschule kommen, fangen sie mit dem Spracherwerb neu an“, so Direktorin Andrea Walach gegenüber „Wien heute“.

Lehrer brauchen Hilfe von Sozialarbeitern
Ergänzende Deutschkurse, Förderstunden, Teamteaching – trotz der zusätzlichen Angebote für die Kinder stoßen die Lehrer an ihre Grenzen, so Walach. „Ich glaube, dass die Begleitumstände für die Kinder so kompliziert sind, dass die deutsche Sprache zu wenig Einfluss auf sie hat. Die Kinder untereinander sprechen in Fragmenten der deutschen Sprache, in Zweiwortsätzen zum Beispiel.“

Für die Direktorin ist längerfristige Frühförderung, also mindestens zwei verpflichtende Kindergartenjahre[*], die Lösung. Kurzfristig brauchten die Lehrer Hilfe. „Von den Lehrern weiß ich sehr wohl, dass sie tatkräftige Unterstützung von einem Support-Personal bräuchten. Das heißt, nicht der Lehrer geht in der Früh zum Telefon und ruft zu Hause an, weckt das Kind auf und sagt: ‚Du kommst jetzt in die Schule.‘ Dafür hätte ich gern ein Support-Personal, sprich zum Beispiel Sozialarbeiter“, so Walach. […]

Aus dem Bildungsministerium heißt es laut Bericht, dass „grundsätzlich keine Maulkorberlässe erteilt würden“. Die zuständige Ministerin, Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), verweile bis Ende der Woche aber in New York City bei der UNO-Frauenstatuskommission und könne deshalb vorerst nicht Stellung nehmen.

Auch der Lehrergewerkschafter Paul Kimberger wird in dem Artikel zitiert, er sei „erzürnt“, ähnliche Aktionen würden „immer wieder passieren“. Die Schule sei „alles andere als ein Einzelfall“, die Probleme der NMS Gassergasse seien ihm wohlbekannt. Der Anteil an Kindern mit nicht deutscher Muttersprache liege dort bei 98 Prozent, was zu enormen  Herausforderungen für die Pädagogen führe.

…manchmal lässt der orf das Pack hinter die bunte Kulisse der Vielfalt blicken…

[*]:
n_klIn Österreich wurde die Sache mit dem verpflichtendem Kindergartenjahr recht hinterfotzig angegangen:
Angefangen hatte das unter dem Deckmantel der finanziellen Entlastung von Familien. Da wurde besonders auf lokaler Ebene groß getönt, dass es dem jeweiligen Landeshauptmann oder Bürgermeister durchzusetzen gelungen ist, dass das letzte Kindergartenjahr nunmehr kostenlos wäre, obwohl diese Regelung von der Bundesregierung nach unten durchgereicht wurde.
Bald darauf wurde auf die sprachlichen Defizite angehender Volksschulkinder verwiesen und danach wurde das Gratisjahr zum verpflichtendem Kindergartenjahr. Für alle. Klar. Nur für Kinder von Einwanderern alleine wäre ja diskriminierend gewesen.
Nun wird seit einiger Zeit ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr angedacht. Nein, nicht angedacht. Im Grunde ist es bereits beschlossene Sache. Vermittelt muss es noch werden. Das Argument der Sprachdefizite wird jetzt offensichtlich erneut eingesetzt.

Es wird nicht lange dauern, bis der Staat die frühkindliche Erziehung zur Gänze unter seine liebevollen Fittiche nimmt.
Völlig kostenlos. Und verpflichtend.

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