Pille & Unfruchtbarkeit: die Wahrheit kommt langsam ans Licht

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Univ. Prof. Dr. med. univ. Doris Maria Gruber

Seit den 1960iger Jahren liegt die Antibabypille weltweit auf vielen Nachtkästchen. Sie hat viele ungewollte Schwangerschaften verhindert. Und doch sollte man nie vergessen, so Frauenärztin und Endokrinologin Doris Gruber von der medizinischen Universität Wien, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat, sondern ein Medikament ist.

Aus ihrer Sicht ist die Pille ein gutes Präparat, das vielen Frauen sehr viel Segen gebracht hat: „ Allerdings sehe ich ein Problem, wenn junge Mädchen sehr früh damit beginnen.“ Denn wenn eine 13-, 14jährige schon die Pille nimmt, könnten die – sich erst in Entwicklung befindenden – Eierstöcke darunter leiden und nicht ausreifen, so die These der Endokrinologin.

Eine mögliche Folge wäre, dass – wenn das Mädchen zehn oder fünfzehn Jahre später – als erwachsene Frau Mutter werden möchte, das vielleicht nur schwer kann, weil ihre Eierstöcke gelitten haben.

Gruber habe Patientinnen Ende 20, die von Teenager-Jahren an die Pille geschluckt haben und nun verzagt bei ihr in der Ordination sitzen. „Dieses Problem scheint häufiger zu werden, weil der Wunsch nach Sexualkontakt immer früher stattfindet und die jungen Frauen natürlich zur Pille greifen. Aber je früher man die Pille einsetzt – desto früher beginnt man auch den Eierstock zu irritieren“, so Gruber.

Studienlage mangelhaft

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Ao. Univ. Prof. Dr. med. univ. Hans-Christian Egarter

Studien, die diese Beobachtung bestätigen würden, sagt Christian Egarter, Leiter der Abteilung für Reproduktionsmedizin am Wiener AKH, gibt es nicht. Denn alle Pillen-Studien zur Sicherheit des Präparats wurden bei über 16jährigen durchgeführt, „also die Datenlage bei unter 16-jährigen ist relativ schlecht.“

Kommt es infolge einer frühen Pillen-Einnahme tatsächlich zu Problemen, könne man diese behandeln bzw. regulierend eingreifen. Etwa zehn Prozent aller Frauen hätten nach dem Absetzen der Pille Schwierigkeiten mit einem unregelmäßigen Zyklus, manchmal bleibe die Monatsblutung für einen längeren Zeitraum aus.

Pille gezielter verschreiben

Aus Egarters Sicht – abseits jeder religiösen oder moralischen Diskussion – ist es vertretbar einem unter 16jährigem Mädchen die Pille zu verschreiben: „Also grundsätzlich habe ich keinerlei profunde Einwände, Teenagern ein kombiniertes Pillenpräparat zu verschreiben. Ich persönlich glaube, dass eine ungeplante, ungewünschte Schwangerschaft wesentlich dramatischer für ein 15jähriges Mädchen und ihr zukünftiges Leben ist als der Eingriff ins Hormonsystem.“

Endokrinologin Doris Gruber sieht die Gabe der Antibabypille bei sehr jungen Frauen kritischer: „Ich möchte Eltern und junge Mädchen für einen bewussteren Einsatz der Pille sensibilisieren und auf deren möglichen Langzeitfolgen hinweisen.“ Die Pille sollte aus Grubers Erfahrung heraus – erst nachdem das Hormonsystem seine volle Funktion aufgenommen hat – verschrieben werden, also nach der Pubertät.

Quelle

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