Die Wahrheit eitert heraus…

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Horror nicht selbst erlebt

Angeblicher Auschwiz-Überlebender gesteht: Meine Geschichte war erfunden

Wieder und wieder erzählte Joseph Hirt seine Geschichte. Mit seinem Vater habe er bei den Olympischen Spielen 1936 gesehen, wie Adolf Hitler dem schwarzen Sportler Jesse Owens den Handschlag verweigert habe. Später sei er im Vernichtungslager Auschwitz interniert worden.

Hirt zeigte die Gefangenen-Nummer auf seinem Arm. Er schilderte, wie er in Auschwitz dem berüchtigten KZ-Arzt Joseph Mengele gegenübergestanden habe. Und er berichtete von seiner Flucht, als er vollkommen unterernährt mit nur noch 30 Kilogramm Körpergewicht unter einem elektrischen Zaun hindurchgekrochen sei.

Nach dem Krieg ging Joseph Hirt in die USA und wurde Psychologe. In Schulen und bei Veranstaltungen schilderte er seine Erfahrungen als Auschwitz-Überlebender.

Der Geschichtslehrer bemerkte Ungereimtheiten

Bei einer dieser Veranstaltungen saß der New Yorker Geschichtslehrer Andrew Reid im Publikum. Als Hirt sprach, wunderte sich Reid. Einiges in Hirts Erzählung schien nicht zusammenzupassen. Also begann Reid zu recherchieren.

Am Ende dieser Recherche steht ein Brief, den der 91 Jahre alte Hirt vergangene Woche an die Lokalzeitung „LNP“ in seiner Heimat Lancaster im US-Bundesstaat Pennsylvania schrieb.

„Ich war kein Gefangener dort“

„Ich schreibe heute, um mich öffentlich zu entschuldigen für den Schmerz, den ich anderen zugefügt habe, indem ich mich selbst in die Beschreibungen des Lebens in Auschwitz eingefügt habe. (…) Ich war kein Gefangener dort. Es war nicht meine Absicht, die Ereignisse, die sich dort wirklich zugetragen haben, herabzusetzen oder in den Schatten zu stellen.“

Folgendes hatte Reid bei seinen Nachforschungen herausgefunden:

  • In der Zeit, in der Hirt nach eigener Aussage in Auschwitz war, wurden noch gar keine Gefangenennummern tätowiert
  • Stattdessen gehörte die von Hirt angegebene Nummer zu dem Auschwitz-Überlebenden Primo Levi
  • In den Dokumentationen des KZs tauchte Hirt nicht auf
  • KZ-Arzt Joseph Mengele kam erst nach Hirts angeblicher Flucht nach Auschwitz
  • Zudem wurde in dem von Hirt genannten Zeitraum nur ein Flüchtiger registriert, und dieser sei nicht Hirt gewesen

Reid fasste seine Ergebnisse zusammen und schickte einen 25-seitigen Brief an Medien und Organisationen, die zuvor über Hirt berichtet oder ihm ein Forum gegeben hatten.

„Ich möchte klarstellen, dass ich kein Holocaust-Leugner bin“, stellt Reid darin klar. Er habe seinen ersten Job von einem KZ-Überlebenden bekommen. „In seinem Gedenken und um die Wahrheit zu bewahren über das, was Millionen von Menschen erleiden mussten, habe ich die Aufgabe übernommen, Hirts schamlose Täuschung aufzudecken“, zitiert der „Guardian“ aus dem Brief.

Hirt: Habe die Lüge Erinnerung am Leben halten wollen

Der öffentlichen Entschuldigung Hirts ging eine private an Reid voraus. In diesem Telefonat empfahl der Geschichtslehrer Hirt nach eigener Aussage, sich öffentlich zu erklären.

In seinem Brief nennt Hirt einen Besuch in Auschwitz als Anlass für seine große Täuschung. Als er gesehen habe, dass Auschwitz inzwischen ein „sauberes und glänzendes Touristenziel“ sei, wo Besucher lachten und Witze über Propaganda machten, habe er Angst bekommen, dass die Geschichte und der Horror des Konzentrationslagers in Vergessenheit geraten könnten.

„Offensichtliches Leugnen und Ignoranz gegenüber der Wahrheit haben mich entschlossen gemacht, die Erinnerung am Leben zu halten. Ich habe eine schlechte Entscheidung getroffen und eine falsche Argumentation benutzt und es dabei riskiert, die Wahrheit zu verunglimpfen, die ich teilen wollte“, schrieb Hirt in seinem Brief und bat um Vergebung.

Quelle

Der arme Mann wollte nur helfen, den Schuldkult am Leben zu erhalten. Schließlich geht es um ein höheres Ziel:

Der Michel soll endgültig ins Gras beißen.

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