Quebec: Die Krise des Westens

  • Quebec sieht sich, wie der gesamte Westen, einer existenziellen demografischen und religiösen Krise ausgesetzt.
  • Quebecs Todesspirale steht ausdrücklich im Zusammenhang mit den Aufrufen zu verstärkter Immigration. Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der den Feldzug gegen den Islamischen Staat beendete, rief gerade muslimische Migranten auf in sein Land zu kommen.
  • Widerstand gegen Quebecs dramatischen Zusammenbruch benötigt nicht notwendigerweise das Festhalten an einem alten Katholizismus, aber er braucht gewiss eine zurechnungsfähige Wiederentdeckung dessen, was eine westliche Demokratie sein sollte. Dazu gehört die Wertschätzung der westlichen Identität und jüdisch-christlicher Werte – all das, was zu akzeptieren Trudeaus Regierung und ein Großteil Europas offenbar ablehnen.

Willkommen in Quebec mit seinem Flair einer alten französischen Provinz, mit seiner schönen Landschaft, wo Straßen nach katholischen Heiligen benannt sind und wo ein Bewaffneter in einer Moschee vor Ort gerade sechs Menschen erschoss.

Gewalt kann die Folge gesellschaftlicher Erschütterungen sein, wie beim Massaker auf Norwegens Insel Utøya, in einem Land, das stolz darauf war ultra-säkularisiert und Teil der globalen „guten Gesellschaft“ zu sein. Auch Quebec sieht sich, wie der gesamte Westen, einer existenziellen demografischen und religiösen Krise ausgesetzt.

George Weigel bezeichnete in der amerikanischen Publikation „First Things“ vor kurzem Quebec als das „leere Viertel des Katholizismus“. „Es gibt keinen religiös öderen Ort“, schrieb er, „zwischen Nordpol und Feuerland; es könnte sein, dass es auf dem ganzen Planeten keinen religiös ausgetrockneteren Ort gibt.“

Sandro Magister, einer der prominentesten Journalisten Italiens zu katholischen Themen, schrieb: „Während Rom redet, ist Quebec bereits verloren.“

Quebecs katholische Gebäude sind leer; die Geistlichen altern. Heute nehmen in der Kirche Saint-Jude in Montreal Personal Trainer die Stelle von katholischen Priestern ein. Das „Théatre Paradoxe“ in Montreal steht heute dort, wo die Kirche Notre-Dame-du-Perpétuel-Secours stand, bevor sie geschlossen wurde. Das ehemalige christliche Kirchenschiff wird heute für Konzerte und Konferenzen genutzt, während christliche Choräle an Sonntagen durch Disco-Show ersetzt werden.

Die Kirche Sain-Jude in Montreal ist heute das
Die Kirche Sain-Jude in Montreal ist heute das „Saint-Jude-Spa“ für „Wellness-Anbeter“, inclusive Personal Trainern, schicken Cocktail-Partys und nach Kundenwunsch gefertigte Bänke in Kreuzform in den sich verändernden Räumen. (Bildquelle: Montreal TV, Video-Screenshot)

Die katholische Diözese Montreal verkaufte in den letzten 15 Jahren Kirchen und andere religiöse Gebäude. Am 24. Mai 2015 wurde in der berühmten Kirche St. Johann Baptist die letzte Messe gefeiert, gewidmet dem Schutzheiligen der französischen Kanadier. Gaetan Proulx, Weihbischof von Quebec, sagte, in den nächsten zehn Jahren würde „die Hälfte der Kirchen in Quebec“ geschlossen.

In Denys Arcands Film „Die Invasion der Barbaren“  gibt es einen Moment, in dem ein katholischer Priester den wertlosen religiösen Kunstkitsch begutachtet, mit dem seine Diözese belastet ist, um die Irrelevanz aufzuzeigen. Der alte Priester sagt:

„Quebec war einmal so katholisch wie Spanien oder Irland; jeder glaubte. An einem bestimmten Punkt des Jahres 1966 wurden die Kirchen plötzlich innerhalb von Monaten praktisch entleert. Ein merkwürdiges Phänomen, das niemand je zu erklären in der Lage war.“

„Ein Mensch ohne Geschichte, ohne Kultur, ohne Land, ohne Familie und ohne Zivilisation ist nicht frei: Er ist nackt und zu Verzweiflung verurteilt“, schreibt Quebecs Philosoph Mathieu Bock-Côté.

Der Zustand des Katholizismus in Quebec ist heute in der Tat verzweifelt. 1996 gab es 8.800 Priester; heute sind es 2.600, die meisten davon recht alt; viele leben in Pflegeheimen. 1945 wurde die wöchentliche Messe von 90% der katholischen Bevölkerung besucht; heute sind es 4%. Hunderte christliche Gemeinden sind einfach verschwunden.

Quebecs Rat des religiösen Erbes hat berichtet, dass alleine 2014 die Rekordzahl von 72 Kirchen geschlossen wurde. Diesbezüglich ist die Lage sogar noch schlechter als in der Erzdiözese Montreal. Von 257 Kirchengemeinden im Jahr 1966 gab es 2000 noch 250 und 2013 nur noch 169. Weil das Christentum am Rande des Aussterbens zu stehen schien, startete Christian Lépine, Erzbischof von Montreal, ein Moratorium zum Verkauf der Kirchen.

Während Quebecs Behörden einen aggresiven Säkularismus als Mittel einsetzen, um den Multikulturalismus zu fördern, erlebte Quebec einen dramatischen Anstieg der Zahl junger muslimischer Männer, die sich dem Islamischen Staat anschlossen. Von Islam-Konvertiten – Menschen, die den kanadischen Relativismus ablehnten, um sich islamischen Fanatismus zueigen zu machen – wurden Terroranschläge begangen. „Quebecs säkularistischer Fundamentalismus ist so weit gegangen allen staatlichen wie Privatschulen – der erste Fall weltweit – einen verpflichtenden Kurs zu ‚Ethik und religiöser Kultur‘ aufzuerlegen“, schrieb Sandro Magister.

Ein akademischer Bericht schloss:

„Kanadische Volkszählungsdaten zeigen, dass der Islam die am schnellsten wachsende Religion im Land ist und obwohl der größte Teil des muslimischen Bevölkerungswachstums mit muslimischen Geburtenraten und Migration zusammenhängt, die muslimische Bevölkerung seit 2001 auch das Ergebnis religiöser Übertritte durch nichtmuslimische Kanadier zugenommen hat.“

Quebecs demografischer Niedergang sagt auch viel. Die Geburtenrate ist von einem Durchschnitt von vier Kindern pro Paar auf gerade einmal 1,6 zurückgegangen – deutlich niedriger als das, was Demografen die „Ersetzungsrate“ nennen. Quebec war im Vergleich zu entwickelten Staaten in Sachen Intensität und Geschwindigkeit, mit der die Gesamtfruchtbarkeitsraten fielen, einzigartig.

Quebecs Todesspirale steht ausdrücklich im Zusammenhang mit den Aufrufen zu verstärkter Immigration. Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der den Feldzug gegen den Islamischen Staat beendete, rief gerade muslimische Migranten auf, in sein Land zu kommen.

Nach Angaben von Demografen braucht allein die Provinz Quebec zwischen 70.000 und 80.000 Immigranten jährlich, um ihre niedrige Geburtenrate auszugleichen. Doch was geschieht mit einem der berühmtesten katholischen Gebiete der Welt, wenn es zum Ausgleich eines Rückgangs eine derartige kulturelle und religiöse Revolution durchmacht?

Widerstand gegen Quebecs dramatischen Zusammenbruch benötigt nicht notwendigerweise das Festhalten an einem alten Katholizismus, aber er braucht gewiss eine zurechnungsfähige Wiederentdeckung dessen, was eine westliche Demokratie sein sollte. Dazu gehört die Wertschätzung der westlichen Identität und jüdisch-christlicher Werte – all das, was zu akzeptieren Trudeaus Regierung und ein Großteil Europas offenbar ablehnen. Die Hälfte der Minister Trudeaus wurde nicht mit einem religiösen Schwur vereidigt. Sie lehnten sogar ab „so wahr mir Gott helfe“ zu sagen.

Quebecs Leitspruch lautet: „Je me souviens“ – ich erinnere mich. Aber an was genau? Wird im „leeren Viertel des Katholizismus“ der Islam der Gewinner sein?

Giulio Meotti, Kulturredaktor für Il Foglio, ist italienischer Journalist und Autor.

Quelle

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