Der fromme Wunsch des Bischofs

Die Migranten auf der Diciotti sitzen fest und dürfen nicht von Bord. Mittlerweile hat sich dort Lagerkoller breit gemacht und folgendes Gespräch wurde von einem Smartphone mitgehört:

„Hättet ihr auf mich gehört statt auf Abdul, wären wir schon längst in Ceuta über dem Zaun…“
„das kann schon sein, Sayed. Aber die Jungs, die letztens diesen Weg wählten, wurden gleich wieder nach Marokko zurückgeschickt. Der Shuttleservice übers Mittelmeer ist sicherer.“
„Jetzt wären wir hier und alles ist so greifbar: Rundumversorgung, freies Wohnen, weiße, geile Schlampen, Taschengeld und Bleiberecht… alles so nah und trotzdem nicht erreichbar! Bei Allah! Ich halte das nicht länger aus!“
„Nur Mut, Sayed! Wir erhöhen jetzt den Druck, verweigern das Essen und lehnen uns mit noch verzweifelteren Blicken an die Reling. Du wirst sehen: die können gar nicht anders und müssen uns einlassen!“
„Meinst du?“
„Aber ja! Es gibt viele Dhimmis, die uns aufnehmen wollen – sogar ein Bischof macht sich jetzt für uns stark!“
„So tief sind wir also schon gesunken, dass wir von diesem Ungläubigen (Allah lasse Scheisse auf sein Haupt regnen!) Hilfe annehmen sollen?“
„Er selbst wird nichts tun. Seine fetten, unreinen Finger wird er weiterhin auf Knabenärschen ruhen lassen. Er macht Druck! Das ist es, was all diese Einfältigen Persönlichkeiten machen: Druck ausüben auf die politischen Entscheidungsträger!“
„Woher hast du eigentlich diese Nachricht?“
Abdul zückt sein Smartphone der neuesten Generation, ruft eine Nachrichtenseite auf und zeigt sie Sayed:

Sayed reißt staunend die Augen auf:
„Echt jetzt? Der Bischof lässt uns in seinem Haus wohnen?“
„Nein.“
„Er bürgt für uns?“
„Nein!“
„Er… macht.. ja, was macht er denn?“
„Er fordert.“
„Ist das alles?“
„Ja.“
„So ein billiger, ungläubiger Hundesohn! Bei Allah und seinem Propheten: man sollte ihm den Kopf abschlagen!“
„Davon träumen inzwischen auch schon viele Ungläubige…“

In der einbrechenden Dämmerung sehen Journalisten durch ihre Teleobjektive zwei Flüchtlinge, die lächelnd ein Smartphone betrachten. Kein Finger bewegt sich am Auslöser, kein Foto wird gemacht.
Lächelnde Gesichter? Zuwenig traurig.

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