Das Gandhi-Prinzip

Warum die Medienkampagne, die derzeit gegen Martin Sellner und die Identitäre Bewegung insgesamt gefahren wird, großes Unrecht, ja sogar ein Angriff auf die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit ist, muss an dieser Stelle wohl nicht ausgeführt werden. Hier soll es stattdessen um die Frage gehen, warum sich die Herrschenden ausgerechnet dezidiert gewaltfreie Akteure wie die Identitären für ihre wiederkehrenden hasserfüllten Überreaktionen ausgesucht haben. Warum soll gerade der sympathische und eloquente Martin Sellner um jeden Preis kriminalisiert und mit dem Massenmörder von Neuseeland in Verbindung gebracht werden? Warum widmen sich die Etablierten nicht echten Terroristen, echten Verbrechern, deren zukünftige Gewaltausbrüche zu verhindern wären?

Sellner hat immer wieder betont, wie wichtig ihm das Prinzip der Gewaltlosigkeit ist. In seinem Buch „Identitär“ von 2017 schreibt er: „Das gewaltlose Vorgehen ist nicht irgendeine Option, sondern die Essenz des metapolitischen Widerstands.“ (S. 121) Überschrieben ist das Kapitel mit den Worten „Identitäres Satyagraha“. Damit verweist Sellner auf die indische Widerstandsikone Mahatma Gandhi, der seine Haltung des diszipliniert-gewaltlosen Protests im indischen Unabhängigkeitskampf Satyagraha nannte.

Gandhi wusste, dass er die britische Besatzungsmacht niemals in einer gewalttätigen Konfrontation bezwingen konnte. Er musste es anders angehen. Seine spektakulärste Kampagne war der sogenannte Salzmarsch im Jahr 1930.

Um öffentlichkeitswirksam gegen das Salzmonopol der britischen Besatzer zu protestieren, zog Gandhi mit einigen seiner Anhänger an die Meeresküste. Er verkündete, dort Salz aus Meerwasser gewinnen zu wollen, ohne dafür Steuern an die Besatzer zu zahlen. Als er nach gut drei Wochen das Meer erreichte, hatten sich ihm rund 12.000 Inder angeschlossen – zum Teil auch weil sie einfach wieder kostenloses Salz haben wollten. Gandhis Aktion hatte einen Nerv getroffen und Anhänger aller Kasten für seine Sache gewonnen. Die britischen Behörden mussten schließlich nachgeben und den Indern das Salz steuerfrei überlassen.

Warum war dieser Protest so wirksam, so mächtig und mitreißend? Erstens hatte Gandhi ein konkretes Thema gefunden, das seine Landsleute unmittelbar anging, zweitens waren die Hürden zum Mitmachen sehr niedrig und drittens appelliert die gewaltlose Haltung der Satyagraha auch an die Vernunft und das Gewissen des Gegners: Wer kann es Menschen verwehren, friedlich durch ihr Land zu ziehen und ein bisschen Salz am Meer aufzusammeln? Jede militärische Intervention erschiene hier vollkommen unangemessen und moralisch verwerflich.

Die US-Amerikanerinnen Erica Chenoweth und Maria J. Stephan haben in ihrer Studie „Why Civil Resistance Works“ die Wirksamkeit von gewaltlosen Widerstandsbewegungen untersucht und geben an, dass ab einem involvierten Bevölkerungsanteil von nur drei Prozent bereits eine statistische Erfolgschance von 80 Prozent für eine politische Wende bestehe. Außerdem kann eine solche Bewegung nicht von Geheimdiensten in einer „Strategie der Spannung“ missbraucht werden, indem man sie in inszenierten Terror verwickelt. Kurz gesagt: Eine metapolitische Widerstandsbewegung, die gewaltlos vorgeht und dabei Sympathien in der Bevölkerung gewinnt, ist der Albtraum der Herrschenden.

Es wäre so einfach, die Identitäre Bewegung ins gesellschaftliche Abseits zu manövrieren, wenn sie Gewalt anwenden würde. Denn es ist offenkundig (und gut), dass nie eine Mehrheit des Volkes mit Gewalttätern und Terroristen sympathisieren würde. Die Gewaltlosigkeit der identitären Aktivisten aber macht die Herrschenden rasend. Deshalb wird nun mit allen Mitteln versucht, sie in eine Radikalisierung zu drängen oder ihr Ansehen zumindest durch Assoziationsketten zu beschädigen. Notfalls wird eine ideologische Nähe zu Gewalttätern einfach herbeigeschrieben, in der Hoffnung, dass dies bei möglichst vielen Menschen hängenbleibt. Aus gutem Grund zitieren Mainstreammedien fast nie direkt aus Sellners Texten, Vorträgen und Reden.

Dank des Gandhi-Prinzips fällt einem wachsenden Teil des Volkes die Unangemessenheit der aggressiven Regierungs- und Medienreaktionen auf. Selbst wer kein überzeugter Anhänger der Identitären ist, wird jungen Menschen zugestehen können, dass sie sich mit friedlichem Aktivismus für ihre Zukunft einsetzen. Harte Repressionen wie die gegen Martin Sellner lassen das Unrecht offenkundig werden, was die ihm und der IB entgegengebrachte Sympathie und den Rückhalt im Volk vermutlich eher vergrößern wird.

Deshalb ist nicht nur die von Martin Sellner betonte Gewaltlosigkeit enorm wichtig, sondern auch die dazugehörige Disziplin. Gandhis Prinzip der Satyagraha umfasst eben auch „die Bereitschaft, Schmerz und Leiden auf sich zu nehmen“ (Wikipedia). Gewaltlosigkeit ist hier nicht als Schwäche oder Unfähigkeit zu verstehen, sondern als geistige Übung und innere Stärke. Die Art und Weise, wie Sellner diese Stärke derzeit vorlebt, dürfte sogar manchem Gegner Respekt abnötigen.

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