Da Hofa woas!

In der österreichischen Bananenrepublik, dem politischen Equivalent eines Verschnitts aus „Musikantenstadel“ und „die Anstalt“ wird nach einem neuen Superstar gesucht.
Egal, aus welcher Partei er, sie oder es auch kommen mag – Hauptsache fesch und halbwegs charismatisch sollte der noch zu findende Held sein. Eine saubere Weste wäre wünschenswert, ist aber kein Muss (solange die Flecken gut versteckt bleiben).
Spärlich gesät sind sie, die Superstars der österreichischen Politik.

Die Kaiserersatzfiguren zum Beispiel, denen man hiezulande den Titel eines Bundespräsidenten verleiht, hatten ihre Stärken, schwächelten aber an anderer Stelle. Die Bundespräsl‘n – seit ich mich dafür interessiere:

Franz Jonas

Über ihn weiß ich zuwenig – ich war noch in der Volksschule, als er starb. Im Nachhinein erschien er mir als Kind weit weg (Wien ist bekanntlich bereits Ausland), war für mich – trotz schulischer Einflussnahme – keine Vaterfigur und erinnerte mich an Erich Honecker. Keine Ahnung, warum.
Kein Superstar.

Rudolf Kirchschläger

Bislang der Einzige, der ruckzuck mit großer Mehrheit zum neuen Kaiser gekrönt worden wäre. Ihn mochten alle – und die ihn nicht mochten, hatten mit sich selbst ein Problem. Lange war er im Amt: 12 Jahre. Eine halbe Ewigkeit für einen jungen Menschen. Aber leider: fesch war er halt gar nicht.
Kein Superstar.

Kurt Waldheim

Kurt, der Unglückliche. Kurt, der ehemalige UNO-Generalsekretär. Kurt, dessen einzigartiges Englisch bald als „Waldheim-Englisch“ in Verruf geriet. Genauso wie sein Pferd: man munkelte, es wäre Mitglied der SA gewesen. Böse Stimmen sagten auch, er weigere sich, „Memory“ zu spielen, da er dabei immer verlöre.
Kein Superstar.

Thomas Klestil

Ein Kotzbrocken von Charakter. Wer solch einen Typen zum Präsidenten hat, muss nicht lange außerhalb von Österreich nach Feinden suchen – der sitzt dann bereits in der Hofburg. Als damals die FPÖ unter dem ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel („Betonmascherl“) eine Regierungskoalition bildete, heulte bereits damals die vereinigte Linke gar grässlich auf und der Herr Klestil nahm die Angelobung der Freiheitlichen Minister „mit versteinerter Miene“ vor, wie sämtliche Mainstream-Medien damals wortgleich zu berichteten wussten. Da der Druck auf diese Koalition nur von innen kam und sich in den Nachbarstaaten kein Widerstand gegen die braune Gefahr formierte, nahm es der Bundespräsident höchstpersönlich auf sich, bei etlichen europäischen Regierungen vorstellig zu werden, um diese händeringend zu bitten, man möge doch dieses Österreich boykottieren. So ließen sich einige Staatsmänner dazu herab, einen politischen „Cordon sanitaire“ um unser Land zu verkünden und einen „Rat der Weisen“ einzusetzen, der wohl dafür ersonnen wurde, diese Koalition zu diskreditieren. Der halbstaatliche  Rundfunk orf wurde jedenfalls nicht müde, ständig darüber zu berichten.
Dass dieser Mann ebensolange in Amt und Würden blieb, wie Rudolf Kirchschläger, zeigt recht anschaulich, wie gut schon damals die mediale Gehirnwäsche funktionierte.
kein Superstar

Heinz Fischer

Der grinsende Heinzi. Der Heifisch. Der erste Bundespräsident, von dem man allerorten wusste, dass er Jude ist. Muss ja nicht schlecht sein – auch der ehemalige Bundeskanzler Bruno Kreisky war Jude. Damals blühte Österreich auf, alle versprochenen Wahlversprechen wurden nicht nur eingelöst, sondern übererfüllt. Erst nach seiner Amtszeit wurde klar, dass all die staatlichen Wohltaten auf Pump finanziert wurden und zu einer Verschuldung führten, die völlig abzubezahlen uns wohl bis heute noch nicht gelungen ist. Der grinsende Heifisch ließ jedenfalls eines stark vermissen: Unparteilichkeit. Eine linke Socke, die wohl hauptsächlich deshalb gewählt wurde, da die damalige Gegenkandidatin, Benita Ferrero-Waldner, schlicht unwählbar war.
Kein Superstar

Alexander Van der Bellen

Der kryptokommunistische, grünlackierte, kettenrauchende Tattergreis ist ebenfalls – Überraschung! –
kein Superstar.

Das waren nur ein paar Beispiele von Politikern, die niemanden fehlen würde, gäbe es sie nicht.
Zugegeben: Bundespräsidenten haben eher repräsentative Aufgaben und bestimmen in der Regel kaum die Agenden der österreichischen Politik.

Mehr politisches Gewicht hat bei uns ein Kanzler, ein Bundeskanzler.
Aber soll ich nun wirklich von Viktor Klima, dem Korrupten, erzählen, der sich nicht mehr in Österreich blicken lassen darf, da er sonst verhaftet würde?
Oder soll ich von Fred Sinowatz, dem Erfolglosen, dem Nasenbären erzählen, der besser Unterrichtsminister geblieben wäre, dem sein neues Amt über den Kopf wuchs?
Wie wärs mit Werner Faymann, dem Profillosen, dessen Lebenslauf lückenhafter war als die obere Zahnreihe eines Amateurboxers im Wiener Prater?
Soll ich Christian Kern, den Ungeliebten, erwähnen, der nie vom Volk gewählt als Bundeskanzler auf eine Art regierte, wie es einem Gleisarbeiter mit Brechstange zustünde?
Oder sollte ich mich über Sebastian Kurz, den Machtbesessenen, den Soziopathen auslassen, dessen Ego-Trip gar eine gut funktionierende Regierung zu Fall brachte?
Bliebe noch Brigitte Bierlein, die Truchsessin, ihres Zeichens schlecht konservierte Mumie und erste Frau im Kanzleramt… nur gut, dass ein Truchsess den Platz räumen muss, sobald der neue König gekrönt bzw. der neue Kanzler gewählt wurde.

Wahrhaft keine Superstars in Sicht.

Manchmal hat man den Eindruck, dass es bestenfalls für ein Superstar-Imitat reicht.
Da war zum Beispiel die Sache mit Strache und Kurz bei der letzten Nationalratswahl.
Die ÖVP war im freien Fall begriffen, die Sozen hatten sich schon vor Jahren als Volkspartei aus dem Rennen genommen, und die Grünen verzwergten zusehends. Es stand also für Herrn und Frau Österreicher zu hoffen (und für die Blockparteien zu fürchten), dass diesmal die FPÖ mehr als nur kräftig zulegen würde; selbst die Absolute schien in Reichweite.
Dad durfte nicht sein – schließlich sind die Freiheitlichen allesamt pöhse Naaaziehs, gelle?
So begann ein großes Theater für die Wählerschaft.
Um als Theaterstück erfolgreich zu sein, braucht es einen Helden, einen jugendlichen Helden.
Gegen Kurz, der nun ins Rampenlicht trat, wirkte Strache alt – obgleich er sein Bestes tat, um knackig zu wirken.
Kurz beschritt die Politbühne mit großem Theaterdonner, Parteileichen säumten seinen Weg, die Alte Garde der Parteisoldaten duckte sich weg, während er nach der Macht griff, die Partei von schwarz auf türkis umfärbte, ihr den Namen „Liste Kurz“ gab und sich strachiger als das Original gab. Ein junger Recke mit markigen Sprüchen – ein vom Nazivorwurf unbefleckter Schwarzer, der vorgab, türkis zu sein und doch dunkelblau wirkte, was ja bekanntlich schon beinahe braun ist. Ein wahres Chamäleon!
Die österreichischen Medien ließen Kurz ob seiner neuen Farbenlehre ungeschoren, und selbst die Rote Garde der political correctness, die Grünen, verhielten sich auffällig still.
Das rettete die ÖVP, da Strache zu wählen zweifellos bedeutet hätte, Hitler erneut zur Macht zu verhelfen. So wählten Viele türkis, das politkorrekte blau, das eigentlich schwarz war.

Die Ibiza-Farce, die eigentlich bereits durch den Rücktritt von Strache und Gudenus bereinigt geworden wäre, steigerte sich auf Betreiben des Kurzzeitkanzlers zu einer veritablen Staatskrise, führte zum Bruch der Regierungskoalition und endete mit dem Rauswurf des Kanzlerbubis.

Nicht gerade ein Erfolg für die österreichische schwarz-türkis-blaue Chamäleonpartei, möchte man meinen. Die Jubelperser in den österreichischen Redaktionsstuben aber münzen dieses Debakel bereits  zu einem Sieg dieser Partei um, der sich gewiss bei der vorgezogenen Neuwahl des Nationalrats zeigen werde…

Wer nun meint, dieses Kasperletheater würde eine zu einem Lehrstück für politische Superstar-Aspiranten dahingehend werden, dass man sich die Kernkompetenzen der politischen Konkurrenz tunlichst nicht zu eigen machen sollte, irrt.

Gleich vorweg:
wer Norbert Hofer auf den Sessel des FPÖ-Parteivorsitzenden hievte, trägt die eigentliche Schuld am bevorstehenden Fall dieser Partei, die bei der kommenden Wahl auf Zwergenniveau zurechtgestutzt werden wird.

Wenn es in diesem Land eine Partei gibt, die dringendst einen politischen Superstar vonnöten hat, dann ist es – nach der politischen Selbstmordung des Altstars HC Strache – die FPÖ.

Es braucht einen Mann (meinetwegen auch eine Frau), der die Zügel in die Hand zu nehmen weiß, ein Werkzeug, das diese Partei auf Erfolgskurs hält.

Norbert Hofer ist kein solches Werkzeug.
Kein Superstar.

Er ist der harmonische Typ, einer, der stets gefallen will, es allen recht machen möchte, ein geborener Werber vom Typus eines Versicherungsvertreters.

Die Freiheitlichen brauchen keinen kuscheligen Koalabären, sondern einen Frontkämpfer, der Kante zeigt, der eine kompromisslos Haltung zu den Kernthemen seiner Partei hat und diese auch glaubwürdig nach Außen vertreten kann – mit der Betonung auf Glaubwürdigkeit.

Es ist genau die mangelnde Glaubwürdigkeit, die Norbert Hofer nicht nur zum ungeeigneten Werkzeug für den kommenden Wahlkampf macht, sondern ihn als Parteichef disqualifiziert.

Wir erinnern uns an die letzte Bundespräsidentenwahl: im Vorfeld zum ersten Wahlgang war Hofer der ideale Kandidat: kantig, glaubwürdig und konsequent. Dieser Linie war es zu verdanken, dass er nicht nur von den FPÖ-Stammwählern, sondern auch von vielen vielen Bürgern gewählt wurde, die bei Nationalratswahlen normalerweise anderen Parteien ihre Stimme geben. Er konnte ein derart gutes Ergebnis einfahren, dass er es in die zweite Runde, in die Stichwahl gegen Van der Bellen schaffte. Im Wahlkampf zur Stichwahl aber zeigte sich Hofer völlig verwandelt: plötzlich war Kuschelkurs angesagt, Harmonie wurde großgeschrieben: ganz offensichtlich, buhlte er um die Stimmen der linken Parteien, glaubte, es wäre nötig allen Österreichern zu zeigen, dass er kein „böser Rechter“, sondern ein Präsident auch für die Linken wäre – und vergaß dabei auf die FPÖ-Wähler, bei denen er sich mit dieser Taktik unbeliebt machte.

Grüne und Sozen aber wählen lieber ihre eigene Brut, und so kam, was kommen musste: Norbert Hofer unterlag in der Stichwahl gegen Alexander Van der Bellen, dem man es eher zutraute, ein Präsident für alle Österreicher zu werden.

Hat Hofer dazugelernt?

NEIN.

Der orf weiß zu vermelden:

Hofer will Klimaschutz zu „FPÖ-Schwerpunkt“ machen

Der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer will die Blauen grün machen. Anders als sein Vorgänger Heinz-Christian Strache bezweifelt er nicht, dass die Erderwärmung menschengemacht ist: „Für Norbert Hofer sind Klimaschutz und der von den Menschen herbeigeführte Klimawandel die größten Herausforderungen unserer Zeit“, bekundete er heute seine Absicht, Umweltschutz zu einem FPÖ-Schwerpunkt zu machen.

„Unter seiner Obmannschaft wird sich die FPÖ intensiv mit diesen Themen auseinandersetzen“, steht in einer Aussendung der FPÖ zum Weltumwelttag, im Titel versichert Hofer, dass „Klimaschutz und Umweltschutz starke Schwerpunkte“ in der FPÖ-Programmatik würden. […]

Kein Superstar.

 

Werbeanzeigen

2 Antworten auf “Da Hofa woas!”

  1. Nun, ich finde das Duo Hofer-Kickl schon in Ordnung. Hofer allein — da gebe ich Ihnen recht — wäre zu weich, Kickl allein dafür zu konfrontativ. wie die beiden miteinander können, weiß ich natürlich nicht — aber wenn sie miteinander können, dann sind sie als Duo perfekt für die FPÖ, um alles an Wählern abzudecken: den heimlich wütenden Zauderer ebenso, wie den kühl-effizienten Macher; den bodenständigen Traditionalisten, wie den provokanten Neuerer mit klarer Kante …

    Schlecht?

    Gefällt 1 Person

    1. Der (menschengemachte) Klimawandel ist die Domäne der Hl. Greta und sämtlicher Grüninnen.
      Den daraus resultierenden „Klimaschutz“ zur FPÖ-Chefsache zu erklären, empfinde ich als pure Anbiederung.
      Wie gesagt, er ist m.E. nicht glaubwürdig.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s